Islam im Überblick

islamischer Spruch

Im Namen des barmherzigen und gnädigen Gottes (islam. Ausspruch)

Allgemeine Fragen zum Islam in Österreich:

Bei der letzten Volkszählung 2001 bekannten sich rund 340.000 Menschen zum Islam. Hochrechnungen von 2012 gingen damals von rund 570.000 Muslimen aus. Aufgrund der Flüchtlingsbewegungen der letzen Jahre sowie der Migration und Geburtenraten schätzt man heute 600.000 bis 800.000 Muslime in Österreich.

Die Hauptherkunftsländer der Muslime sind die Türkei, gefolgt von Bosnien&Herzegowina, den arabischen Länder und Tschetschenien. Rund 35% der Muslime waren 2012 jedoch österreichische Staatsbürger.

Die IGGÖ (islamische Glaubensgemeinschaft Österreich) ist seit 1979 die staatliche anerkannte Vertretung aller Muslime, für den Staat sind daher alle Muslime Mitglieder der IGGÖ, unabhängig von ihrer ethnischen Herkunft oder Zugehörigkeit zu anderen „Moscheevereinen“ oder Glaubensrichtungen. Die IGGÖ organisiert auch den Religionsunterricht und die Ausbildung der islamischen Religionslehrer und hat zusätzlich administrative Aufgaben wie Eheschließungen, Beerdigungen, Ausstellung von Bescheinigungen.

Der islamische Relgionsunterricht wird in den Schulen abgehalten, die Religionslehrer von österreichischen Staat bezahlt. Der Unterricht folgt einem dem Religionsunterrichtsgesetz entsprechenden Lehrplan, der von der IGGÖ erlassen wurde.

Die Ausbildung der islamischen Religionslehrer wird von der IGGÖ organisiert. Die Lehrer für Pflichtschulen werden an der IRPA, einem privaten Bachelor-Studienganges in Wien, ausgebildet. Ab 2016 wird dieser Studiengang in die KPH (Kirchlich Pädagogische Hochschule Wien/Krems) als Institut eingegliedert. Lehrer für höhere Schulen werden an der Universität Wien im Rahmen eines Masterstudienganges ausgebildet.

 

Das Islamgesetz regelt das Verhältnis zwischen Staat und den Muslimen, beschreibt die Rechte und Pflichten der Muslime in Österreich.

Das erste Islamgesetz in Österreich enstand 1912 zur Zeit der Monarchie und anerkannte die vor allem bosnischen Muslime als Religionsgemeinschaft. Das Islamgesetz wurde 2015 erneuert und umgearbeitet, was viel Kritik unter Muslimen hervorgerufen hat.

Wieviele Moscheen es in Österreich gibt, ist nicht ganz einfach zu beantworten. Denn oftmals werden Moscheen von kleinen Kulturvereinen in Kellerräumen betrieben. Dennoch lassen sich folgende Zahlen festhalten: Es gibt in Österreich 3 Moscheen mit Minarett (Wien, Bad Vöslau, Telfs/Tirol). Bei der islamischen Glaubensgemeinschaft (IGGÖ) sind derzeit 248 Moscheen registriert. Die Islamlandkarte der Universität Wien hingegen zählt 409 Moscheen.

Die islamische Glaubensgemeinschaft führt derzeit keine eigenen Kindergärten. Wenn man von islamischen Kindergärten spricht meint man daher eine Vielzahl von Privatkindergärten, die von unterschiedlichen Vereinen betrieben werden. Ihnen ist aber doch gemeinsam, dass man auf ein islamisches Umfeld Wert legt (Ernährung, islamische Feste und Feiern, erste Einführung in das Gebet uam.). Das Ausmaß der islamischen Erziehung ist jedoch sehr unterschiedlich. Verzeichnis der islamischen Kindergärten

Es gibt in Österreich auch islamische Privatschulen, die fast alle dem österreichischen Lehrplan folgen, Schulgeld einheben und die ebenfalls auf ein islamisches Umfeld Wert legen. Teilweise gibt es zusätzlichen Sprachunterricht in Arabisch oder anderen Sprachen. Verzeichnis der islamischen Schulen

Koranschulen sind Bildungseinrichtungen auf privater Basis, die am Nachmittag oder am Wochenende Unterricht im Lesen und Verstehen des Korans sowie arabischer Sprache anbieten.

Glaubensinhalte des Islam:

Muslime glauben an den einen und einzigen Gott, der immer war und immer sein wird, der nicht gezeugt hat und nie gezeugt wurde, den man an seiner Schöpfung erkennt und den man nur mit Eigenschaften, die im Koran genannt werden, beschreiben kann (99 Namen von Allah zB. der Allmächtige, der Allwissende, der Erbarmer, der Barmherzige, der Großzügige, der Beschützer, der Schöpfer uam.)

Mohammed wurde um ca. 570 n. Chr. in Mekka geboren und war Mitglied eines einflussreichen Stammes. Er wuchs bei Verwandten auf, da seine Eltern frühzeitig starben und heiratete später eine Kaufmannswitwe.

Mohammed pflegte sich oft zur Meditation auf einen Berg zurückzuziehen, wo ihm eines Tages der Erzengel Gabriel erschien und ihm die Botschaft seines Prophetentums brachte sowie die ersten Offenbarungen des Korans übermittelte. Von da an wurden ihm immer wieder Offenbarungen zuteil, die er verkündete und vor allem die Einheit Gottes lehrte.

Mohammed wird von Muslimen als Prophet geehrt und in seinen Handlungsweisen nachgeahmt, da er von Gott vor Verfehlungen geschützt war. Dennoch wird er als Mensch gesehen und niemals von ihnen angebetet.

Im Koran wird Mohammed die Stellung als letzter Prophet zuteil, der die Reihe von vielen Propheten abschließt.

Die 5 Säulen des Islam verkörpern die 5 Pflichten der Muslime. Diese Säulen des Glaubens sind:

  • der Glaube an Allah
  • die 5 täglichen Pflichtgebete
  • das Spenden an Arme
  • das Fasten während des Ramadan
  • die Pilgerfahrt nach Mekka einmal im Leben

Die 6 Glaubensartikel werden im Koran selbst erwähnt und sind

  • der Glaube an den einzigen Gott (arab. Allah)
  • der Glaube an seine Engel
  • der Glaube an seine Offenbarung (heilige Bücher)
  • der Glaube an seine Gesandten (ua. Adam, Moses, Abraham, Jesus und als letztes Mohammed)
  • der Glaube an das Leben nach dem Tod und den Tag des jüngsten Gerichtes
  • der Glaube an die Vorherbestimmung

Der Koran (arab. Qur´an) ist für Muslime das Wort Gottes. Er

  • wurde dem Propheten Mohammed 23 Jahre lang offenbart
  • wurde zunächst mündlich rezitiert und nach seinem Tod gesammelt und geordnet
  • ist in Hocharabisch und wird bis heute in dieser Sprache rezitiert und ist nur in dieser Sprache für Muslime verbindlich
  • wurde in viele Sprachen übersetzt im Bewusstsein, dass Übersetzungen auch Interpretationen enthalten (daher immer die Bezeichnung: die annähernde Bedeutung des Koran)
  • besteht aus 114 Suren (Abschnitte) und rund 6300 Versen, die in ihrer Ästhetik Vorbild für die arabische Dichtung wurden

Die Bedeutung des Korans ist für Muslime deshalb so groß, weil er nicht nur religiöse Weisungen enthält, sondern darüberhinaus auch weltliche Gebote und Verbote. Somit regelt er auch alle weltlichen Fragestellungen der Muslime und beeinflusst somit das gesamte Leben. Er ist Hauptquelle des islamischen Gesetzes, der Scharia, die für viele Muslime über dem weltlichen Gesetz steht.

Im Islam gibt es viele Propheten wobei hier zwischen Propheten und Gesandten unterschieden wird.

Propheten (arab. nabil): sind von Allah auserwählt um den Menschen sein Wort zu verkünden, es gab lt. Überlieferung sehr viele, aber nur 25 werden im Koran namentlich genannt, die auch aus der Bibel bekannt sind (zB. Adam, Noah, Isaak, Ismael, Jakob,

Gesandte (arab. rasul): wurde mit einer neuen Gesetzgebung in Form eines Buches zu den Menschen gesandt (daher ist jeder Gesandte ein Prophet, aber nicht umgekehrt)

Heilige Bücher: Die Heiligen Bücher wurden von Gott (Allah) den Gesandten offenbart. Dies sind vor allem die Thora (Moses), die Evangelien (Jesus) und der Koran (Mohammed). Dazu kommen noch Psalter (David) und Suhuf (Abraham).

Die Kaaba ist ein würfelförmiges Gebäude in Mekka (Saudi Arabien) und ist das zentrale Heiligtum der Muslime. Sie wurde als erstes Gebetshaus vom ersten Menschen Adam errichtet und von Abraham und seinem Sohn Ismael wiedererrichtet als zentrale Wallfahrtsstätte der Muslime.

Sie ist innen mit teilweise mit Marmor verkleidet bzw. mit Tüchern mit in Gold gestickten Koranversen bedeckt. Außen ist sie von einem schwarzen Brokatvorhang mit Goldstickerei bedeckt. Die Kaaba ist fast das ganze Jahr verschlossen und wird nur zu Reinigungszwecken vor dem Fastenmonat Ramadan geöffnet.

Die Kaaba wird von Muslimen nicht angebetet, wie fälschlicherweise oft angenommen, sondern sie bildet für alle Muslime weltweit die Gebetsrichtung. Außerdem ist sie das Ziel bei der großen Pilgerfahrt Hadj, die jeder Muslim einmal in Leben durchführen soll.

Muslime glauben an ein Leben nach dem Tod. Das Leben auf der Erde ist demnach nur eine Prüfung für das spätere ewige Leben. Nach dem Tod folgt die Gerechtigkeit durch Gott, der für gute Taten belohnt und für schlechte Taten bestraft. Dazu hat er das Paradies und die Hölle geschaffen. Durch die Barmherzigkeit Gottes und bei aufrichtiger Reue kann man seiner Strafe entgehen.

In mehreren Suren des Koran wird die Gleichberechtigung von Männern und Frauen betont (zB. Sure 2:228, 9:72, 3:195). Außerdem wurden Frauen im Koran Rechte zugestanden, die sie zur Zeit des Propheten Mohammed noch nicht hatten (zB. Recht auf Eigentum). Trotzdem werden aber auch die unterschiedliche Verantwortungen von Männern und Frauen betont (z. der Mann muß den Unterhalt für die Familie verdienen).

Hadithe sind Aussprüche und Handlungsweisen des Propheten Mohammed, die im Islam als normativ und nachahmenswert gelten. Sie sind neben dem Koran die zweite wichtige Quelle des islamischen Rechts und werden auch als Sunna (Handlungsweise) des Propheten bezeichnet.

Glaubenspraxis der Muslime:

Muslimen ist im Koran (4:103) das tägliche Gebet vorgeschrieben und zwar zu bestimmten Zeiten:

  • Fajr: vor Sonnenaufgang
  • Dhuhur: Mittagsgebet
  • Assr: Nachmittagsgebet
  • Maghrib: nach Sonnenuntergang
  • Ishaa: Einbruch der Nacht bis Sonnenaufgang

Auch der Ablauf des Gebetes folgt einem vorgeschriebenen Ritual, die Gebetsrichtung ist immer nach Mekka zur Kaaba. Die täglichen Gebetszeiten verändern sich und können hier nachgesehen werden.

Dem Freitagsgebet kommt eine besondere Bedeutung zu, ist doch der Freitag auch der Tag der Versammlung. An diesem Tag sind alle männlichen Muslime ab der Pubertät verpflichtet sich in der Moschee zum gemeinsamen Gebet zu versammeln und vorher der Predigt des Imam zu folgen. Für weibliche Muslime ist die Teilnahme empfohlen.

Der Ramadan ist der muslimische Fastenmonat. Er

  • ist der 9. Mondmonat und „wandert“ daher durch unser Sonnenjahr
  • dauert 30 Tage und wird mit dem Zuckerfest beendet
  • Muslime fasten von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang
  • Fasten bedeutet: kein Essen, kein Trinken, keine sexuelle Handlung
  • Fastenbrechen: nach Sonnenuntergang mit dem Iftar, dem geselligen Mahl
  • Nacht der Bestimmung: in der 27. Nacht des Ramadan wurde nach Überlieferung der Koran offenbart
  • Ramadan: Zeit der Versöhnung und des Gebetes

Die Pilgerfahrt nach Mekka (arab. Hadsch) ist für jeden Muslim einmal im Leben Pflicht, allerdings sofern er es sich leisten kann. Der Ablauf der Pilgerfahrt folgt genauen Riten, denen der Pilger folgt. Die Zeit der Pilgerfahrt ist der letzte Monat des islamischen Kalenders, daher kommen zu dieser Zeit jährlich Millionen Muslime nach Mekka.

Die Almosensteuer (Zakat) ist eine religiöse Pflicht der Muslime. Sie sind angehalten, einmal jährlich ca. 2,5% ihres verfügbaren Vermögens für wohltätige Zwecke zu spenden.

Unter Dua versteht man Bittgebete oder Anrufungen an Gott.

Glaubensrichtungen in Österreich:

Der Großteil der österreichischen Muslime sind Sunniten, die sich vom Wort Sunna ableiten. Unter Sunna versteht man die Handlungsweisen des Propheten Mohammed, die man nachzueifern bestrebt ist. Die Sunniten kennen mehrere Rechtschulen, den sie folgen. Die Sunniten sind in vielen Vereinen organisiert und betreiben mehrere hundert Moscheen in Österreich.

Schiiten unterscheiden sich von den Sunniten in der Frage der Nachfolge des Propheten Mohammed. Sie glauben, dass Ali, der Schwiegersohn Mohammeds, der rechtmäßige Nachfolger und Kalif war. Die islamisch-schiitische Glaubensgemeinschaft ist seit 2013 in Österreich anerkannt.

Die Aleviten bilden eine eigenständige Glaubensgemeinschaft innerhalb des Islam und sind seit 2013 als solche in Österreich anerkannt. Sie glauben wie die Schiiten an die Nachfolge Alis und lehnen die Scharia und Sunna ab. Frauen und Männer beten bei den Aleviten gemeinsam in Cem-Häusern, rund 80.000 Aleviten leben in Österreich.

Die Ahmadiyya-Gemeinde ist eine kleine islamische bewegung, die 1889 in Indien gegründet wurde. Sie hat in Österreich rund 100 Anhänger und einen Gebetsraum.

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